Autosattler Bauer & Farmer's Custom Seats

Sitzbankumbau Honda Transalp 650

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Nachstehender Umbaubericht wurde von unserem Kunden Joachim Seidler verfasst und auf der Webseite von twinduro AUSTRIA veröffentlicht.

Copyright-Hinweis: Der Inhalt und die Grafiken bzw. Fotos entsprechen unverändert dem Originalbericht, ausschliesslich das Layout wurde unserer Webseite angepasst.


twinduro AUSTRIA

Sitzbankumbau Honda Transalp 650

Im vorderen Teil war mir (1.85) die Bank meiner Transalp zu niedrig, dafür aber zu breit - sprich - zu wenig "enduro-like". Der Sozius-Platz war zwar prinzipiell ganz angenehm, hatte aber eine unangenehme Kante, die sich bei längeren Touren unangenehm bemerkbar machte. Außerdem war die Bank allgemein zu weich, sodass die Polsterung nach etwa 500 Kilometern schon merklich nachgab. Und schließlich war der Sitzbank-Bezug auch noch zu wenig strapazierfähig, er warf Falten und hatte kleine Risse. Mir schwebte als - für mich - perfekte Lösung eine Sitzbank vor, die sowohl touren- als auch endurotauglich war - also fast schon ein Widerspruch in sich.
Einen solchen Sitzbankumbau kann zwar jeder Sattler mehr oder weniger gut bewerkstelligen, meine Wahl fiel auf den "Autosattler Bauer" im 16. Wiener Gemeindebezirk. Der Termin wurde für Mitte Dezember vereinbart, da ich ja auch den Umbau dokumentieren wollte, was natürlich etwas mehr Zeit in Anspruch nahm.
Obwohl ich die Sitzbank schon eine Woche zuvor bei mir im Wohnzimmer gelagert hatte, war noch immer ziemlich viel Restfeuchtigkeit in Ihr. Normalerweise werden die Sitzbänke auch etwa 3 - 5 Tage zum Trocknen in der Werkstätte gelagert, in meinem Fall wurde die Bank aber mit dem Heißluftföhn getrocknet.
Das dauert aber auch fast zwei Stunden, also war einmal genügend Zeit für einen Kaffee und eine kleine "Betriebsführung". Wolfgang Bauer ("Der Meister") und seine Frau Sabine ("Die Chefin") führen den Betrieb seit 1996, das "Hauptgeschäft" ist die Anfertigung und Erneuerung kompletter Autoinnenausstattungen, die Reparatur und Anfertigung von Cabrio-Verdecken und eben auch die Um- und Neubepolsterung von Motorrad-Sitzbänken unter der Eigenmarke "Farmer's Custom Seats" und auch noch die Tapezierung von Polstermöbeln. So war es auch nicht verwunderlich, neben einem Porsche Carrera, einem Alfa Spider, mehreren Motorrad-Sitzbänken auch noch zwei Fauteuils in der Werkstätte zu erspähen. Noch ein Kaffee, dann konnte es auch schon losgehen.
Die Teile des Originalsitzbankkernes, die durch neues Polstermaterial ersetzt werden, werden zunächst einmal markiert, dann weggeschnitten. Die neuen Schaumstofflagen werden zuerst zurechtgeschnitten und dann mit Sprühkleber am verbleibenden Kern fixiert Bei meiner Sitzbank wurde der vordere Teil etwas härter, der hintere etwas weicher gepolstert. Dies geschieht in mehreren Lagen, wobei diese miteinander verklebt werden.

Die Kanten des Polstermaterials werden mit dem Bandschleifer abgerundet, die Sitzbank nimmt schön langsam ihre endgültige Form an.
Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten überprüft der Meister immer wieder sein Werk. Kleinigkeiten, die einem Laien wie mir nicht einmal aufgefallen wären, werden ausgebessert, nachgeschliffen, am Ende ist allein der Sitzbankkern schon fast ein kleines Kunstwerk.
Nach diesem Arbeitsschritt wird der Kern noch mit einem dünnen Vlies überzogen und - um die Polsterung in Zukunft vor Feuchtigkeit zu schützen, wird das ganze dann noch mit einer Nylonfolie ummantelt.
Nun folgt die Anfertigung des Sitzbankbezuges. Ich habe mich für einen Anti-Rutsch-Bezug auf der Sitzfläche und einen hochstrapazierfähigen bidirektional-elastischen Bezug für die Flanken entschieden.
Die Schnittmuster werden zuerst aus Packpapier gefertigt und dann auf den Bezugstoff übertragen. Das geschieht großteils nach Augenmaß des Meisters.



Mit einer alten "Pfaff"-Nähmaschine werden die insgesamt vier Teile miteinander vernäht.
Schließlich werden die Nähte noch an der Innenseite mit Nahdichtmittel versiegelt und dann kann es auch schon an die endgültige Fertigstellung der Sitzbank gehen.
Der Bezug wird zuerst provisorisch fixiert um einmal die Passgenauigkeit zu überprüfen - wie nicht anders zu erwarten, er passte wie angegossen. Mittels Pressluft-Tacker wurde der Bezug dann rundum an die Sitzbankträgerplatte angeheftet, wo sich Falten bildeten, wurden die Klammern gelöst, der Bezug in die richtige Form gezogen, dann wieder befestigt.
Die Erfahrung von rund 1.000 bezogenen Motorradsitzbänken ließ jeden Handgriff perfekt sitzen, die Sitzbank war fast fertig.
Schließlich noch die überstehenden Ränder des Bezugs entfernt, noch ein letzter prüfender Blick - und fertig war die neue alte Bank !
Die Kosten für einen solchen Umbau belaufen sich auf etwa EUR 250,00. Der Preis ist abhängig vom verwendeten Polster-Material (m²-Preis bis zu EUR 70,00), dem Bezug und schließlich noch dem Arbeitsaufwand, der in meinem Fall etwa dreieinhalb Stunden betrug. Dank der milden Witterung im Jänner konnte ich bereits die ersten Proberunden drehen - es hat sich rentiert!

Bericht & Fotos: Joachim
 
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